Menu Close

Unser Kiez

Wie alles begann: Eine persönliche Reise in die Vergangenheit

Erinnerungen an September 1975
Mein jüngerer Bruder ist gerade in Prenzlauer Berg zur Schule gekommen und zwischen Umzugskartons feiern wir seine Einschulung. Ich besuchte die 4. Klasse, und das nur noch für eine Woche. Wie traurig waren wir, unsere Freunde aufgeben zu müssen. Unsere erste Reaktion war:
„Wenn wir erwachsen sind, dann ziehen wir wieder zurück nach Prenzlauer Berg.“
Aber der Umzug nach Lichtenberg in das neu gebaute Wohngebiet stand ins Haus, ein Zimmer für mich und meinen Bruder, das war dann doch reizvoll.

Ich erinnere mich noch, wie mir Manuela, eine zukünftige Klassenkameradin, „über den Weg lief“, es war Wochenende, und ich hatte ziemliche Bauchschmerzen vor Montag und dem Schulbeginn in einer neuen Schule, in einer neuen Klasse. Aber all das legte sich in den ersten zwei Wochen, denn schnell waren neue Freunde gefunden, mit denen wir hier im Wohngebiet durch die Gegend tollten. Das Wohngebiet war schließlich voll von Kindern. So begann eine aufregende Zeit, da es zum Teil mehr einem Abenteuer-Spielplatz als einer Neubausiedlung glich. Einiges war noch nicht fertig, so dass wir natürlich lieber die Baustelle als den neuen Kinderspielplatz in Beschlag nahmen. Durch kleine Streitigkeiten mit anderen Kindern gewannen wir wiederum neue Freunde, mit denen wir uns nun in unserer Freizeit nach der Schule trafen.
Ich erinnere mich auch an eine interessante Zeit, als im Bereich der Gotlindestraße Kinder spielten, die nicht Deutsch, sondern Russisch sprachen. Hier wurden die ersten Kenntnisse der russischen Sprache angewandt. Wie oft haben wir die Kleinen gefragt: как тебя зовут – (Kak tebja sowut?) – Wie heißt du?

Als Teenager im Niebelungen-Kiez

Mit 13/14 Jahren trafen wir uns dann an der Konsum-Kaufhalle (heute steht dort die Domicil Seniorenresidenz) und „hingen“ dort mit vielen anderen Jugendlichen ab, hörten Musik, machten auch mal ein paar „dumme Sprüche“, und hier und da gab es auch die erste Zigarette. Wir trafen uns in den Durchgängen, haben uns dort „eingerichtet“, da musste auch mal eine Bank vom Spielplatz in unsere „Ecke“ umplatziert werden, schließlich wollten wir auch sitzen

Hier hörten wir unsere Musik, und weil dem einen oder anderen Mieter unsere AC/DC, Van Halen oder Stones-Mucke nicht gefiel, und (heute weiß ich es besser) einfach zu laut war, besuchte uns dann und wann auch mal der ABV (Abschnittsbevollmächtigte). Großen Ärger gab es jedoch nie, eine Einigung mit dem ABV war immer drin. Etwas leiser ging es auch. Wie sagte schon Jean-Jacques Rousseau „Die Jugend ist die Zeit Weisheit zu lernen. Das Alter ist die Zeit es auszuüben.“

Einmal weg und zurück

Im Verlauf der Zeit und den damit anstehenden persönlichen Veränderungen, wie Beendigung der Schulzeit, die Berufsausbildung und Aufnahme einer beruflichen Tätigkeit und damit nicht zuletzt der eigenen Gründung einer Familie wurden wir für einige Jahre heimisch im Stadtbezirk Treptow.
Doch als es dann nach ca. 3,5 Jahren hieß, zurück in die alte Heimat nach Lichtenberg war die Freude groß. Einerseits eine größere Wohnung zu beziehen und andererseits waren und sind hier die Eltern, und ehrlich – wer braucht nicht manchmal die Hilfe und Unterstützung der Eltern?

Nun nahmen unsere Kinder genau den Spielplatz in Beschlag, auf dem wir als Kinder schon Mutproben bestanden, sie nahmen das Grün für sich in Anspruch, welches zu meiner Zeit noch im Wachsen begriffen war. Sie lernten hier ihre ersten Schritte zu gehen, mit dem Holzroller im Hof ihre kleine Welt zu erkunden, und dann und wann, einfach mal vom Spielplatz aus, zu Oma und Opa zu fahren, um dort Abendbrot zu essen, weil es dort schließlich immer besser schmeckte als daheim.

Heute – ein Kiez mit einer persönlichen Geschichte: Für jeden von uns

Ich treffe auch heute noch – nicht nur die Eltern meiner damaligen Klassenkameraden, sondern auch die „alte“ Schulfreundin, mit der ich den einen oder anderen Kaffee trinke, und wir darüber reden, wie es war und was heute und hier in den kleinen Innenhöfen geschieht, welchen Kahlschlag die Rodung der Bäume und Sträucher hinterlassen haben, auf dem ich als Kind, meine Freunde und Klassenkameraden und später sogar unsere eigenen Kinder so viel Zeit mit ihren Freunden verbracht haben.

Das Ziel aller Anwohner

Versuchen wir gemeinsam sowohl das Grün in unserem Kiez und damit unserer Stadt, als auch die
Spiel- und Bolzplätze für alle Generationen zu erhalten.
Manuela M.

Die Natur in unserem Kiez vor der neubaubedingten Baumfällung zeigen wir in unserem Trailer zum Bürgerfilm (hier klicken).

Innenhof Atzpodienstraße 1991
Ein Blick vom Balkon in den Innenhof 1991

Diese Karte dient der Orientierung, ein Klick auf die Satelliten-Ansicht
zeigt, wie grün der Innenhof war.